Schweiz: Nachholbedarf beim energieeffizienten Bauen

Nürnberg 04.12.2014

Ähnlich wie in Deutschland gehört auch in der Schweiz das gesamte Spektrum der Energieeffizienz zu

einem wachsenden Geschäftsfeld. Der Schweizer Standard für energieeffizientes Bauen „Minergie“

bezieht sich allerdings nur auf den Gebäudebau und ist zudem freiwillig. Rechtlich verbindlich sind für

Schweizer Bauherren allein die weniger strengen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich.

 

So werden derzeit lediglich 20 Prozent der Neubauten und nur 5 Prozent der Sanierungen nach einem Minergie-Standard zertifiziert. Die Branche erwartet daher ab 2015 ein umfangreiches Maßnahmenpaket der Kantone und des Bundes, um energieeffizientes Bauen und Renovieren zu fördern. Nach offiziellen Schätzungen entfallen in der Schweiz 45 Prozent des Endenergiebedarfs auf Gebäude (Erstellung,

Warmwasser, Heizen, Kühlen, Elektrizität). Die Regierung geht davon aus, dass sich mittelfristig mehr als 50 Prozent des laufenden Energiebedarfs von Wohn- und Geschäftshäusern einsparen lassen.

Das Marktpotenzial ist riesig. Nach Schätzungen von Minergie sind 1,5 Millionen Gebäude in der Schweiz aus energetischer Sicht modernisierungsbedürftig.

Das Problem besteht darin, dass lediglich 20 Prozent der Neubauten und nur 5 Prozent der Sanierungen nach einem der mittlerweile fünf Minergiestandards zertifiziert werden. Doch diese Anteile stagnieren. Lediglich in den großen urbanen Zentren wie Zürich übersteigt die Minergiequote bei Wohnungsneubauten die 50 Prozent-Grenze. Ende 2012 waren rund 24.500 Wohngebäude und 2.300 Nicht-Wohngebäude nach Minergie zertifiziert. Mitte 2014 besaßen immerhin rund 35.000 Gebäude ein derartiges Zertifikat.

Die Motive der Bauherren sind derzeit eine mittelfristige Kostenersparnis durch niedrigeren Energieverbrauch und die Hoffnung auf eine Wertsteigerung des Objektes: Die Mehrkosten für ein Wohnhaus nach Minergiestandard liegen bei 1 bis 5 Prozent - je nach Architekt. Ein späterer Verkauf bringt allerdings Mehrerlöse von 10 bis 15 Prozent. Bedeutendstes nationales Ereignis zum Thema Energieeffizienz ist die Minergiefachtagung, die zuletzt im Rahmen der Messe Minergie-Expo in Luzern stattfand (März 2013).

Während die Veranstaltung mit rund 250 Ausstellern überschaubar blieb und eher lokale Installateure auf den Plan rief, waren praktisch alle relevanten Verbände und Minergieabteilungen präsent. Das Hauptthema der Jahresfachtagung lautet: Gebäudemodernisierung als Erfolgsfaktor der Energiewende. Die nächste Minergie-Expo findet im Rahmen der Fachmesse "Bau+Energie Messe" vom 26. bis 29. November 2015 in Bern statt.

(Quelle: BH International)